Autor: Anna Kerkel

Bohrerarten erkennen und richtig verwenden: Ein Überblick

Ein Regal anbringen, Erdwärme nutzen oder Zähne von Karies befreien: Bohrer sind unverzichtbar – und das in nahezu jedem Bereich. Doch welcher Bohrer eignet sich für welche Arbeiten? Hier erfahren Sie alles über die verschiedenen Arten von Bohrern, wie Sie einen Metallbohrer erkennen oder was der Unterschied zwischen Holzbohrer und Steinbohrer ist.

Die Klassiker für Metall, Holz, Stein und Kunststoffe: Der Spiralbohrer

Unter dem Überbegriff Spiralbohrer sammeln sich Werkzeuge wie Metallbohrer, Kunststoffbohrer, Holzbohrer, Universalbohrer, Stein- und Betonbohrer. Allen gemein ist die namensgebende Spiralform der zwei sich umeinanderwindende Schneiden. Über diese werden die Späne aus dem Bohrloch abtransportiert. Außerdem besitzen Spiralbohrer typischerweise einen kegelförmigen Kopf. Trotz ähnlichen Aufbaus gibt es je nach Anwendungsgebiet Bohrerunterschiede in spezifischer Form und Material. Bevor Sie Ihr Bohrerzubehör  oder Elektrowerkzeuge kaufen, verschaffen Sie sich hier einen Überblick über gängige Spiralbohrertypen:

1.      Erkennen Sie an der Spitze: Holzbohrer

Holzbohrer erkennen Sie an der feinen Zentrierspitze. Sie dient der genauen Ausrichtung des Bohrers und macht ein Vorkörnen überflüssig. Die beiden Außenkanten der Schneiden stehen etwas vor, sodass nach dem Zentrierloch zunächst der Rand der Bohrung geschnitten wird. So werden die Fasern des Holzes sauber durchtrennt und die Bohrung erhält einen gratfreien Rand. Holzbohrer bestehen meist aus einer Chrom-Vanadium-Legierung und sind gelegentlich hartmetallbestückt.

Daran erkennen Sie Holzbohrer:

  • an der dünnen Zentrierspitze

Spezialformen von Holzbohrern sind Forstnerbohrer, Kunst- bzw. Zylinderkopfbohrer, Flachfräsbohrer und Schlangenbohrer. Zu diesen Holzbohrerarten mehr im Abschnitt über Sonderformen.

2.      Auch für Kunststoffe gut: Metallbohrer

Im Unterschied zu Holzbohrern haben Metallbohrer keine Zentrierspitze, da diese bei der Arbeit mit Metall sofort abbrechen würde. Deswegen sollte das Werkstück für eine optimale Führung vor dem Bohren gekörnt werden.

Daran erkennen Sie Metallbohrer:

  • an der kegelförmigen Spitze

Metallbohrer bestehen zumeist aus Schnellarbeitsstahl (HSS) oder seltener aus Vollhartmetall (VHM) – beide Materialien zeichnen sich durch große Härte, Verschleißfestigkeit und Wärmefestigkeit aus. Apropos Wärme: Da beim Bohren in Metall hohe Temperaturen entstehen, empfiehlt sich die Kühlung mit Wasser oder Öl, um Werkstück und Bohrer zu schonen.

Anders als bei den Holzbohrern gibt es bei den Bohrerarten für Metall eine ganze Reihe verschiedener Bohrer und damit unterschiedlicher Spezifikationen:

1.       Metallbohrerarten: Werkstoffe und Maschinen erkennen Sie am Typ

Die meisten Bohrertypen für Elektrowerkzeuge  bestehen aus sogenanntem HSS (Schnellarbeitsstahl), seltener aus VHM (Vollhartmetall). Hier die wichtigsten HSS-Bohrer-Unterschiede, deren Bezeichnungen, ihre Besonderheiten und welcher HSS-Bohrer für welches Material geeignet ist:

  • HSS-R: preiswerte Bohrer in Basisqualität, durch Rollwalzen hergestellt; für den konventionellen Einsatz mit Hand- und Ständerbohrmaschinen; zur Bearbeitung von Stahl, Stahlguss, Grauguss, Temperguss, Sintereisen, Bronze, Messing und Aluminium
  • HSS-G: präzise Bohrer aus vollem Material gefräst, gehärtet sowie mit geschliffener Spitze; für Säulenbohrmaschinen, Dreh- und Fräsmaschinen; zur Bearbeitung von Stahl, Stahlguss, Gusseisen, Sintereisen, Grafit, Messing, Aluminium und Bronze 
  • HSS-E: hochwertige und hitzebeständige Bohrer mit Kobaltlegierung; für Hand- und Säulenbohrmaschinen; zur Bearbeitung von Werkstoffen mit hoher Festigkeit wie Edelstahl
  • HSS-Co: verschleißfester und hitzebeständiger Bohrer mit Kobaltlegierung; für Hand- und Säulenbohrmaschinen; zur Bearbeitung von Werkstoffen mit hoher Festigkeit wie Edelstahl
  • HSS-TiN: verschleißfester Bohrer mit Titan-Nitrid-Besatz; ideal für Handbohrmaschinen
  • VHM: schneller Bohrer mit optimaler Standzeit aus vollem Material gefräst; allerdings aufgrund des zähen Materials mit einem schlechteren Durchmesser-Längen-Verhältnis

2.       Bohrerlängen und Bohrtiefen erkennen Sie an den DIN-Zahlen

Anhand der DIN-Angaben erkennen Sie, wie lang der Bohrer ist und bis zu welchen Bohrtiefen er Verwendung findet. Hier die wichtigsten Metallbohrer-Unterschiede nach häufig verwendeten Normen:

  • DIN 1897: extra kurze Spiralbohrer für Bohrtiefen bis zum 3-fachen ihres Durchmessers
  • DIN 338: kurze Spiralbohrer für Bohrtiefen bis zum 5-fachen ihres Durchmessers
  • DIN 340: lange Spiralbohrer für Bohrtiefen bis zum 10-fachen ihres Durchmessers 
  • DIN 1869: extra lange Spiralbohrer in drei Reihen 
  • DIN 345: Standardspiralbohrer mit Morsekegelschaft
  • DIN 341: lange Spiralbohrer mit Morsekegelschaft
  • DIN 1870: extra lange Spiralbohrer mit Morsekegelschaft

3.       Geeignete Werkstoffe erkennen Sie an der Bohrerbezeichnung nach Typ

Die Typenbezeichnung eines Metallbohrers verrät Ihnen, für welche Materialien sich dieser Bohrer eignet:

  • Typ N (normaler Drall): Bohrerarten für Metall, NE-Metall, Stahl, Baustahl, Einsatzstahl, Automatenstahl und Guss
  • Typ H: (leichter Drall) langgezogene Spirale für kurzspanende und sehr harte Werkstoffe, wie legierte Stähle, Schichtpressstoffe, Plexiglas oder Hartkunststoff
  • Typ W (starker Drall): kurze Spirale für sogenannte langspanende, weiche Werkstoffe wie Kunststoffe, Leichtmetalle, aber auch für Hartholz und Spanplatten verwendbar

3.      Schlag auf Schlag: Stein- und Betonbohrer erkennen

Stein- und Betonbohrer haben einen ähnlichen Aufbau wie Metallbohrer, besitzen aber bei näherem Hinsehen ein eingesetztes Metallplättchen oder bei einem Vollhartmetallkopf eine Spitze in Form eines Meißels. Daran erkennen Sie am einfachsten Beton- oder Steinbohrer. Dementsprechend nutzen Sie diese Bohrer auch mit einer Schlagbohrmaschine oder einem Bohrhammer, die neben der Drehbewegung auch regelmäßige Schlagbewegungen in axialer Richtung ausführen.

Daran erkennen Sie Stein- und Betonbohrer:

  • an der keilförmigen Spitze, teilweise mit eingelöteter Hartmetallschneide

Auch die Funktionsweise unterscheidet sich vom Metallbohrer: Die Bohrspitze schneidet nicht das Material, sondern zertrümmert es mit kleinen Schlägen. Der Bohrstaub wird – wie bei anderen Bohrern auch – über die Bohrspirale aus dem Loch befördert.

4. Richtig scharf: Mehrzweck- oder Universalbohrer

Mehrzweck- oder Universalbohrer sehen Stein- und Betonbohrern zum Verwechseln ähnlich, allerdings ist der Schneidkopf nicht stumpf, sondern mit einem Präzisions-Diamantenanschliff geschärft. Sie bohren problemlos Materialien wie Stein, Holz, Kunststoff sowie Metall und eigenen sich damit ideal für Bohrungen in Konstruktionen, die aus verschiedenen Materialschichten bestehen.

Daran erkennen Sie Mehrzweck- oder Universalbohrer:

  • an der keilförmigen Spitze, teilweise mit eingelöteter Hartmetallschneide, mit zwei scharfen Scheiden

Gerade beim Innenausbau von Häusern vereinfachen Mehrzweck- oder Universalbohrer die Arbeit. Statt den Bohrer für die unterschiedlichen Schichten zu wechseln, bohren Sie mit einem Universalbohrer ohne Unterbrechung durch Gips, Metallblech, Holz oder Beton. Auch wenn Sie sich nicht sicher sind, aus welchem Material beispielsweise eine Altbauwand besteht, sind Mehrzweckbohrer die richtige Wahl. Sie eignen sich sowohl für normale Drehbohrungen wie auch für Schlagbohrungen.

Welche Bohrer gibt es für besondere Einsatzbereiche?

Für einen vollständigen Überblick über alle Bohrerarten finden Sie hier eine Übersicht spezieller Bohrer und ihrer Anwendung.

1. Forstnerbohrer für große, nicht durchgehende Bohrungen in Holz

Mit dem Forstnerbohrer – auch Astloch- oder Topfbohrer – erstellen Sie nicht durchgehende Löcher mit einem Durchmesser von bis zu 15 cm. Durch seinen speziellen Aufbau hebt dieser Bohrer die Holzschichten Stück für Stück ab und funktioniert so eher wie ein Hobel.

Daran erkennen Sie Forstnerbohrer:

  • an der Zentrierspitze und kurzen, runden Umfangschneide (geschlossen, durchbrochen oder mit Zähnen)

Forstnerbohrer werden schnell heiß. Achten Sie deshalb auf eine geringe Drehzahl und üben Sie nur wenig Druck aus.

2. Stangen- oder Schlangenbohrer für tiefe Bohrungen in Holz

Stangen- oder Schlangenbohrer gehören ebenfalls zu den Bohrerarten für Holz und eignen sich für besonders tiefe Bohrungen. Dank ihres speziellen Aufbaus, der einer archimedischen Schraube ähnelt, fördern sie auch aus einem tiefen Bohrloch zuverlässig die Holzspäne.

Daran erkennen Sie Schlangenbohrer:

  • an der Zentrierspitze mit Gewinde sowie der hohen Länge

Schlangenbohrer werden schnell heiß. Achten Sie deshalb auf eine geringe Drehzahl und üben Sie nur wenig Druck aus.

3. Flachfräsbohrer: preisgünstig für grobe Holzbohrungen

Einer der ältesten Formen von Holzbohrern sind Flachbohrer. Sie sind sehr leicht und gleichzeitig günstig, da zur Herstellung wenig Material benötigt wird. Allerdings erzeugen diese Bohrer besonders bei Durchbohrungen keine glatten Ränder.

Daran erkennen Sie Flachfräsbohrer:

  • am flachen Querkopf mit Querloch

Über das Querloch im Bohrkopf kann nach dem Durchbohren ein Draht eingefädelt werden. Beim Herausziehen des Bohrers entsteht dann eine Schlaufe, mit deren Hilfe Sie Kabel durch die Bohrung ziehen.

4. Diamantbohrer für empfindliche Werkstoffe

Für empfindliche Werkstoffe wie Glas, Naturstein oder Porzellan sind Diamantbohrer oftmals die einzige Möglichkeit, saubere und splitterfreie Bohrungen zu erzielen.

Daran erkennen Sie Diamantbohrer:

  • an der Diamantkörnung der Spitze verschiedener Bohrerformen

Diamantbohrer verwenden Sie nur für Bohrungen in sehr harten und damit oftmals auch spröden Materialien. Weiche Materialien verschleißen hingegen die hochwertigen Bohrer. Da beim Bohren harter Werkstoffe hohe Temperaturen entstehen, ist eine Kühlung notwendig. Dafür gibt es beispielsweise Bohrhilfen mit Wasseranschluss oder Sie verwenden einen sogenannten Trockenbohrer mit Kühlwachs im Bohrschaft.

5. Zentrier- und Anbohrer zum Vorbohren oder für Reitstocksüitzen

Zentrier- und Anbohrer funktionieren wie ein Körner für harte Materialien oder großzügige Markierungen, wie sie beispielsweise für Reitstocksüitzen von Drehmaschinen notwendig sind.

Daran erkennen Sie Zentrierbohrer:

  • an der geringen Länge und dem abgestuften Profil

Zentrier- und Anbohrer können aufgrund der geringen Länge und der fehlenden Führungsfasen nur für sehr flache Bohrungen – eben Zentrierpunkte – verwendet werden.

6. Schäl- oder Stufenbohrer: für dünne Materialien

Schäl- oder Stufenbohrer sind ideal zum Bohren verschiedener Materialien wie Bleche, Thermo- und Duroplaste bis 4 mm Stärke. Ihr großer Vorteil ist das glatte und gratfreie Bohren verschiedener Durchmesser. Die stufenförmig angeordneten Schneiden besitzen zumeist eine Skala, sodass Sie problemlos den gewünschten Durchmesser bohren. Entgratet wird die Bohrung einfach mit der nächsthöheren Stufe.

Daran erkennen Sie Stufenbohrer:

  • am kurzen Bohrkopf mit zahlreichen, stufenförmig angeordneten Schneiden, oftmals mit Skala

Mit Schälbohrern lassen sich im Gegensatz zum Stufenbohrer auch Zwischengrößen bohren. Allerdings besitzen die Bohrungen nie gerade, sondern immer schräge Lochwände. Auch der Schälbohrer verfügt über eine Bohrerbeschriftung, um den richtigen Durchmesser zu erzielen.

Daran erkennen Sie Schälbohrer:

  • am kurzen, kegelförmigen Bohrkopf, oftmals mit Skala

7.      Bohrkronen für Kernlochbohrungen

Bohrkronen sind zylinderförmige Hohlkörper, die lediglich den Umfang des Lochs abtragen. Übrig bleibt der sogenannte Kern. Mit Kernbohrkronen – oder auch Hohlkernbohrer bzw. Hohlbohrer – werden entweder sehr große Löcher oder Kerne zur Probenentnahme gebohrt. Da Bohrkronen gelegentlich verkanten und blockieren, ist ein festes Stativ wie bei den meisten Kernbohrmaschinen von expondo ratsam. Diese verhindern ein Herumschlagen des Geräts und minimieren die Verletzungsgefahr.

Daran erkennen Sie Bohrkronen:

  • an der hohlen Zylinderform

Bohrkronen finden in zahlreichen Bereichen Anwendung. Sie dienen beispielsweise für Erkundungsbohrungen bei Baugrunduntersuchungen, biologischen, geologischen oder archäologischen Probeentnahmen; im Baubereich für runde Durchbrüche für elektrische oder sanitäre Zugänge. Entsprechend des großen Einsatzbereichs gibt es Bohrkronen in unterschiedlichsten Größen, Formen und Materialien.

Weitere Informationen über Zerspanungsverfahren finden Sie auf unserem Inspirationsblog. Lesen Sie beispielsweise in unserem Bohrmaschinen Ratgeber, welches Gerät zu Ihren Herausforderungen passt, oder erfahren Sie mehr über Fräsertypen und wie sie eingesetzt werden.